Der Frei-
Sprech-
Kompass
Wie du dein Wissen und deine Erfahrung locker vor der Kamera rüberbringst.
Für YouTube-Videos, die nicht perfekt klingen müssen – sondern echt, verständlich und hilfreich.
Schön, dass du mit diesem Arbeitsheft arbeitest.
Vielleicht kennst du das: Du weißt eigentlich, was du sagen möchtest. Aber sobald die Kamera läuft, wird es plötzlich kompliziert. Die Sätze klingen steif, der rote Faden rutscht weg oder du hast das Gefühl, du müsstest alles perfekt formulieren.
Genau dafür ist dieser Frei-Sprech-Kompass da.
Er hilft dir, deine Gedanken so vorzubereiten, dass du freier, klarer und natürlicher vor der Kamera sprechen kannst.
Das erwartet dich
Du arbeitest Schritt für Schritt an:
- einer konkreten Person, zu der du sprichst
- einer echten Frage, die dein Video beantwortet
- dem, was bei deiner Zuschauerin hängen bleiben soll
- einfachen Stichworten statt fertiger Sätze
- deinem passenden Aufnahmeweg
- einem freundlichen Blick auf deine Aufnahme
Du kannst dieses Arbeitsheft alleine nutzen, zur Vorbereitung auf unsere Zoom-Termine oder als Begleitung für deine nächsten YouTube-Videos.
Der Weg entsteht beim Gehen.
Die 7 Prinzipien für freieres Sprechen
Sprich nicht mit der Kamera – sprich zu einer konkreten Person.
Die Kamera ist nur das technische Hilfsmittel. Innerlich sprichst du zu einem Menschen, dem du helfen möchtest.
Beantworte eine echte Frage.
Freies Sprechen wird leichter, wenn du nicht über ein abstraktes Thema sprichst, sondern eine konkrete Frage beantwortest.
Sei dir klar, was hängen bleiben soll – und welches Gefühl du hinterlassen möchtest.
Wenn klar ist, was bei deiner Zuschauerin hängen bleiben soll und wie sie sich nach deinem Video fühlen soll, muss dein Satz nicht perfekt sein.
Nutze Stichworte statt fertiger Sätze.
Ein Skript kann Sicherheit geben. Stichworte helfen dir, deine eigene Sprache und Persönlichkeit stärker zum Ausdruck zu bringen.
Wähle deinen passenden Aufnahmeweg.
Du kannst in einzelnen Clips aufnehmen oder im One Take mit Pausen und Wiederholungen arbeiten. Beide Wege sind richtig.
Nutze Pausen bewusst.
Pausen helfen dir beim Sprechen, beim Schneiden und beim ruhiger Werden.
Nimm dich selbst wohlwollend wahr.
Du schaust dein Video nicht an, um nach Fehlern zu suchen. Du nutzt die Aufnahme als Selbstcoaching-Übung: Du beobachtest dich freundlich, erkennst, was schon wirkt, und wählst einen kleinen nächsten Übungsschritt.
Dein Weg durch den Frei-Sprech-Kompass
| Schritt | Worum geht es? | Dein Ergebnis |
|---|---|---|
| 1 | Deine Sprechsituation klären | Du weißt, was dich aktuell blockiert und was du üben möchtest |
| 2 | Deine Zuschauerin vor Augen haben | Du weißt, für wen du sprichst und kommst innerlich in einen echten Gesprächsmodus |
| 3 | Eine echte Frage finden | Du weißt, welche Frage dein Video beantwortet |
| 4 | Klären, was hängen bleiben soll | Du weißt, welche Botschaft deine Zuschauerin mitnehmen soll |
| 5 | Stichworte erstellen | Du hast deinen roten Faden ohne vollständiges Skript |
| 6 | Deinen Aufnahmeweg wählen | Du entscheidest: Clips oder One Take |
| 7 | Dich selbst wohlwollend wahrnehmen | Du erkennst, was schon gut wirkt und was du weiter übst |
Meine Ausgangslage
Bevor du übst, lohnt sich ein kurzer Blick auf deine aktuelle Situation. Nicht, um dich zu bewerten. Sondern, um zu erkennen, wo du gerade stehst und was du im nächsten Schritt üben möchtest.
Reflexionsfragen
Was fällt mir aktuell beim Sprechen vor der Kamera schwer?
In welchen Momenten werde ich unsicher oder blockiert?
Was befürchte ich, wenn ich frei spreche?
Was wünsche ich mir stattdessen?
Wie möchte ich in meinen Videos wirken?
- klar
- natürlich
- ruhig
- lebendig
- kompetent
- nahbar
- strukturiert
- herzlich
- mutig
- anders, nämlich:
3 Minuten Standortbestimmung
Starte deine Kamera und sprich 3 Minuten über diese Frage:
Was möchte ich beim Sprechen vor der Kamera in nächster Zeit üben?
Diese Aufnahme ist nur für dich. Du musst sie nicht veröffentlichen und niemandem zeigen.
Danach: Freundlich beobachten
Was war besser als erwartet?
Wo war ich natürlicher, als ich gedacht hätte?
Wo habe ich mich selbst streng bewertet?
Was möchte ich bei der nächsten Übung anders machen?
Mit deinen Antworten weiterarbeiten
Schau dir deine Antworten noch einmal an und markiere 1–2 Punkte, die dir besonders wichtig erscheinen.
Mein größter aktueller Stolperstein ist:
Das möchte ich nicht länger als Bremse verwenden:
Das würde mir beim Sprechen mehr Sicherheit geben:
Dein nächster Schritt
Ich nehme aus dieser ersten Übung mit:
Für meine nächste Aufnahme achte ich besonders auf:
Deine Zuschauerin vor Augen
Einer der wichtigsten inneren Wechsel beim freien Sprechen ist dieser: Du sprichst nicht mit der Kamera. Du sprichst zu einem Menschen, der dir in diesem Moment zuhört.
Wichtig ist die innere Vorstellung:
Da ist eine konkrete Zuschauerin, die dein Video anschaut und deine ersten Sätze hört.
Diese Vorstellung macht einen großen Unterschied.
Denn je klarer du dir vorstellst, dass du mit dieser Zuschauerin bereits arbeitest, desto leichter kommst du in einen natürlichen Gesprächsmodus.
Dann musst du dich nicht fragen: „Wie soll ich wirken?"
Du kannst dich eher fragen:
- Was würde ich ihr sagen, wenn sie jetzt mit mir arbeiten würde?
- Wie würde ich es ihr in einem echten Gespräch erklären?
- Welche Worte würden ganz natürlich aus mir herauskommen?
- Wo würde ich nachfragen, beruhigen, vereinfachen oder ermutigen?
- Was würde ich ihr als nächsten kleinen Schritt mitgeben?
Meine konkrete Zuschauerin
Für wen nehme ich dieses Video auf?
In welcher inneren Situation ist sie, wenn sie mir zuhört?
- Sie sucht Orientierung.
- Sie ist unsicher.
- Sie ist neugierig.
- Sie fühlt sich überfordert.
- Sie möchte endlich eine klare Antwort.
- Sie braucht Ermutigung.
- anders, nämlich:
Was denkt oder fühlt sie vielleicht, während sie mein Video anschaut?
Was beschäftigt diese Person gerade?
Welche Unsicherheit, Frage oder Herausforderung hat sie?
Wenn diese Person bereits mit mir arbeiten würde: Wie würde ich mit ihr sprechen?
Was bedeutet das für meine Körperhaltung, Sprache und meinen Blickkontakt?
Was soll sie nach meinem Video denken, fühlen oder verstanden haben?
Sprich zu deiner Zuschauerin
Nimm 2 Minuten auf und sprich zu dieser einen konkreten Person, die dir gerade zuhört.
Stell dir vor: Sie hört deine ersten Sätze und möchte spüren, ob du ihr weiterhelfen kannst.
Beginne zum Beispiel mit:
- „Wenn du gerade vor der Frage stehst, ob …"
- „Kommt dir das bekannt vor?"
- „Ich möchte dir heute zeigen, warum …"
- „Wenn du meine Kundin wärst, würde ich dir jetzt sagen …"
Reflexion
Hat es sich anders angefühlt, zu einer Person zu sprechen?
Welche Formulierung kam ganz natürlich aus mir heraus?
Was möchte ich mir für meine nächsten Videos merken?
Dein nächster Schritt
Meine konkrete Zuschauerin für dieses Video ist:
So erlebt sie mich vermutlich, wenn sie mein Video anschaut:
Wenn ich aufnehme, erinnere ich mich daran:
- Ich muss nicht performen.
- Ich spreche so, als würde ich bereits mit ihr arbeiten.
- Ich darf einfache Worte verwenden.
- Ich darf ruhig erklären.
- Ich darf nachdenken und Pausen machen.
- Ich darf so sprechen, wie ich auch in einem echten Gespräch sprechen würde.
- Mein eigener Satz:
Finde eine echte Frage
Freies Sprechen wird viel leichter, wenn du eine konkrete Frage beantwortest.
Dann musst du nicht „Content produzieren". Du beantwortest einfach eine Frage, die für deine Zuschauerin wichtig ist.
Vielleicht hast du bereits Kundinnen und weißt genau, welche Fragen immer wieder auftauchen. Wenn du noch keine oder wenige Kundinnen hast, ist das kein Hindernis. Du kannst echte Fragen auch recherchieren.
Mögliche Quellen für echte Fragen
1. Fragen aus Kundengesprächen
- Welche Frage wird dir oft gestellt?
- Was musst du immer wieder erklären?
- Welche Unsicherheit hörst du häufig?
- Welche Frage kommt vor einer Zusammenarbeit?
- Welche Frage kommt nach dem Start?
2. Google-Autovervollständigung
Google zeigt dir häufige Suchanfragen an, sobald du beginnst, etwas in das Suchfeld zu tippen. Das ist hilfreich, weil du dadurch siehst, welche Formulierungen Menschen wirklich verwenden, wenn sie nach einer Lösung suchen.
So gehst du vor:
- Öffne Google.
- Gib dein Thema oder einen Teil einer Frage ein.
- Setze danach ein Leerzeichen.
- Schau dir an, welche Ergänzungen Google automatisch vorschlägt.
- Notiere die Vorschläge, die zu deinem Thema und deiner Expertise passen.
Beispiel:
Du gibst ein:
besser schlafen + Leerzeichen
Dann zeigt Google mögliche Ergänzungen wie zum Beispiel:
- besser schlafen Tipps
- besser schlafen Einschlafprobleme
- besser schlafen Hausmittel
- besser schlafen bei Stress
- besser schlafen ohne Medikamente
Du kannst auch Satzanfänge testen wie:
- „Wie kann ich …"
- „Warum funktioniert … nicht"
- „Was tun wenn …"
- „Wie starte ich mit …"
- „Welche Fehler bei …"
- „… für Anfänger"
- „… ohne Erfahrung"
- „… Schritt für Schritt"
Wichtig ist das Prinzip dahinter:
Achte nicht nur auf einzelne Wörter, sondern auf die Absicht dahinter:
- Sucht jemand eine schnelle Lösung?
- Sucht jemand Orientierung?
- Hat jemand ein konkretes Problem?
- Steckt Unsicherheit oder Überforderung dahinter?
3. YouTube-Suche
Gib dein Thema in die YouTube-Suche ein und beobachte:
- Welche Ergänzungen werden vorgeschlagen?
- Welche Videotitel tauchen häufig auf?
- Welche Fragen stehen in den Kommentaren?
- Welche Videos haben viele Aufrufe?
4. Gruppen, Foren und Kommentare
Schau in Facebook-Gruppen, Communitys oder Kommentarbereiche:
- Welche Probleme werden wiederholt beschrieben?
- Welche Sätze beginnen mit „Ich weiß nicht, wie …"?
- Wo gibt es Frust oder Unsicherheit?
5. Deine eigene frühere Erfahrung
- Was hätte ich früher gerne gewusst?
- Welche Fehler habe ich selbst gemacht?
- Was habe ich erst spät verstanden?
- Welche Erkenntnis würde meinem früheren Ich helfen?
6. KI als Ideengeber
Du kannst KI nutzen, um erste Fragen zu sammeln.
Beispiel-Prompt:
Wichtig:
KI ist hier nicht die Quelle der Wahrheit. Sie ist ein Ideengeber.
Prüfe danach:
Klingt das wirklich nach einer echten Frage?
Arbeitsblatt: Meine Fragensammlung
Wähle zuerst deine Quelle:
- Kundengespräche
- Google-Autovervollständigung
- YouTube-Suche
- Gruppen / Kommentare
- eigene Erfahrung
- KI-Ideen
- andere Quelle:
Sammle nun mögliche Fragen:
Auswahl: Welche Frage eignet sich für dein nächstes Video?
Eine gute Video-Frage ist nicht unbedingt die klügste Frage. Es ist die Frage, bei der du ins Sprechen kommst.
Prüfe deine Favoritin:
- Ich kann diese Frage ohne lange Recherche beantworten.
- Die Frage passt zu meiner Expertise.
- Die Frage ist für meine Zuschauerin relevant.
- Die Frage führt zu einem hilfreichen Video.
- Ich könnte dazu mindestens 3 Minuten frei sprechen.
Meine Video-Frage
In meinem nächsten Video beantworte ich diese Frage:
Was soll hängen bleiben?
Wenn klar ist, was bei deiner Zuschauerin hängen bleiben soll und welches Gefühl du hinterlassen möchtest, muss dein Satz nicht perfekt sein.
Bevor du die Kamera startest, klärst du daher:
Was soll meine Zuschauerin aus diesem Video mitnehmen – und wie soll sie sich danach fühlen?
Du musst nicht alles unterbringen, was du zu diesem Thema sagen könntest.
Für dieses eine Video reicht es, wenn eine klare Aussage hängen bleibt.
Und ein klares Gefühl hilft dir, den Ton deines Videos zu finden.
Arbeitsblatt: Das soll hängen bleiben
Meine Video-Frage lautet:
Meine kurze Antwort darauf ist:
Warum ist diese Antwort wichtig?
Was ist ein häufiger Irrtum zu diesem Thema?
Was soll meine Zuschauerin nach dem Video verstanden haben?
Welches Gefühl möchte ich bei ihr hinterlassen?
- informiert
- inspiriert
- ermutigt
- beruhigt
- verstanden
- zum Nachdenken angeregt
- neugierig
- entlastet
- handlungsfähig
- anders, nämlich:
Warum ist gerade dieses Gefühl wichtig?
Was ist der erste kleine Schritt, den sie danach machen könnte?
Satzstarter für das, was hängen bleiben soll
Nutze einen dieser Satzanfänge:
- Ich möchte zeigen, dass …
- Bei meiner Zuschauerin soll hängen bleiben, dass …
- Wichtig ist mir dabei …
- Viele glauben … dabei ist eigentlich …
- Aus meiner Erfahrung …
- Der erste Schritt ist …
Das soll hängen bleiben – in einem Satz
Dieses Gefühl möchte ich hinterlassen
Mit deinen Antworten weiterarbeiten
Welche Aussage ist wirklich die wichtigste?
Welche Information kann ich weglassen, damit mein Video klarer wird?
Welche Formulierung passt zu dem Gefühl, das ich hinterlassen möchte?
Dein nächster Schritt
Das soll in meinem Video auf jeden Fall hängen bleiben:
Dieses Gefühl möchte ich hinterlassen:
Deshalb spreche ich in diesem Video eher:
- ruhig und erklärend
- ermutigend
- klar und direkt
- nachdenklich
- leicht und humorvoll
- anders, nämlich:
Meine Stichworte
Ein Skript kann Sicherheit geben. Stichworte helfen dir, deine eigene Sprache und Persönlichkeit stärker zum Ausdruck zu bringen.
Stichworte sind kurze Begriffe oder Halbsätze, die deinem Gehirn Orientierung geben. Sie erinnern dich daran, was du sagen möchtest – ohne dich an fertige Sätze zu binden.
Für diese Übung arbeitest du mit Post-its oder Karteikarten.
Die Post-it- oder Karteikarten-Methode
Schreibe jeden Gedanken auf ein eigenes Post-it oder auf eine eigene Karteikarte. Schreibe groß genug, damit du deine Stichworte während der Aufnahme gut lesen kannst. Ein Gedanke pro Post-it oder Karteikarte.
So kannst du später leichter:
- die Reihenfolge verändern
- einen Punkt streichen
- einen Gedanken ergänzen
- einzelne Abschnitte aufnehmen
Mein 5-Stichworte-Zettel
1. Einstieg / erster Satz:
2. Gedanke 1:
3. Gedanke 2:
4. Beispiel / Geschichte / Erfahrung:
5. Schlussgedanke / nächster Schritt:
Optional: Wenn du mehr Struktur brauchst
6. Gedanke 3:
7. Call-to-Action:
Check: Sind meine Stichworte hilfreich?
- Ich habe keine ganzen Sätze notiert.
- Jeder Punkt steht für einen klaren Gedanken.
- Ich weiß ungefähr, was ich zu jedem Punkt sagen möchte.
- Die Reihenfolge fühlt sich logisch an.
- Ich könnte mit diesen Stichworten 3–5 Minuten sprechen.
1 Gedanke – 3 Varianten
Wähle einen deiner Stichworte aus und sprich ihn dreimal laut aus:
- sachlich
- persönlicher
- so, als würdest du es einer Kundin erklären
Reflexion
Welche Variante klang am natürlichsten?
Welche Variante würde ich im Video verwenden?
Mit deinen Stichworten weiterarbeiten
Wähle jetzt die 3–5 Stichworte aus, die du wirklich für deine Aufnahme brauchst. Schreibe jedes Stichwort groß auf ein eigenes Post-it oder eine eigene Karteikarte. Lege die Karten so vor dich hin, dass du sie während der Aufnahme gut sehen kannst.
Meine wichtigsten Stichworte für dieses Video sind:
Deinen Einstieg finden
Der Einstieg ist oft die größte Hürde.
Er ist mehr als nur der erste Satz.
Ein guter Einstieg hilft dir, innerlich in Kontakt mit deiner Zuschauerin zu gehen, Orientierung zu geben und leichter ins Sprechen zu kommen.
Stell dir vor, du würdest bereits mit dieser Person arbeiten: Du würdest nicht lange um den heißen Brei reden, sondern ihr zeigen, dass du ihr Thema verstehst und sie Schritt für Schritt mitnimmst.
Einstiegsideen, die Verbindung und Orientierung schaffen
Wähle eine Variante und passe sie an dein Thema an.
Der Einstieg darf ruhig klar sein. Du musst nicht lange hinführen. Oft ist es leichter, wenn du direkt in die Situation, das Problem, die Erkenntnis oder eine kurze Übersicht einsteigst.
1. Direkt ins Problem
Mein Satz:
2. Direkt in die innere Situation
Mein Satz:
3. Direkt mit dem, was du in deiner Arbeit immer wieder beobachtest
Mein Satz:
4. Direkt mit dem, was oft übersehen wird
Mein Satz:
5. Direkt mit dem Satz, den deine Zuschauerin denken könnte
Mein Satz:
6. Direkt aus deiner Erfahrung
Mein Satz:
7. Direkt mit einer Entlastung
Mein Satz:
8. Direkt mit dem nächsten Schritt
Mein Satz:
Meine 3 Favoriten
Laut testen
Sprich deine 3 Favoriten laut in die Kamera oder nur für dich. Dann entscheide:
Welcher Einstieg klingt am meisten nach mir?
Welcher bringt mich am leichtesten ins Sprechen?
Welcher macht neugierig und ist trotzdem natürlich?
Mein Einstieg für die Aufnahme
Mein Aufnahmeweg – Clips oder One Take?
Es gibt nicht die eine richtige Art, frei vor der Kamera zu sprechen. Wichtig ist, dass du eine Aufnahmeform findest, die dich entlastet.
Ein Gedanke = ein Clip
Du stoppst die Aufnahme nach jedem Gedanken und nimmst dein Video in kleinen Bausteinen auf.
One Take mit Pausen und Wiederholungen
Du lässt die Kamera laufen und sprichst dein Video in einem längeren Take – mit Pausen, Wiederholungen und Erlaubnis zum Neuansetzen.
Bei dieser Methode stoppst du die Aufnahme nach jedem Gedanken.
Du nimmst dein Video in kleinen Bausteinen auf:
- Einstieg
- Gedanke 1
- Gedanke 2
- Beispiel
- Abschluss
Das kann sehr hilfreich sein, wenn du dich noch unsicher fühlst oder schnell den roten Faden verlierst.
Vorteil: Du musst immer nur einen kleinen Teil schaffen.
Nachteil: Du hast mehrere Clips, die du später sortieren und zusammensetzen musst.
Diese Methode passt zu dir, wenn du sagst:
- Ich möchte mich nur auf einen Gedanken gleichzeitig konzentrieren.
- Lange Aufnahmen stressen mich.
- Ich verliere schnell den Faden.
- Ich möchte kleine überschaubare Bausteine aufnehmen.
Bei dieser Methode lässt du die Kamera laufen. Du sprichst dein Video in einem längeren Take – aber ohne den Anspruch, alles perfekt durchzuziehen.
Du darfst: Pausen machen, neu ansetzen, einen Satz wiederholen, einen Gedanken nochmal besser formulieren, auf deine Stichworte schauen, dich kurz sammeln.
Gerade mit modernen Schnittprogrammen und KI-Tools ist diese Methode sehr hilfreich, weil Pausen, Versprecher und Wiederholungen leichter erkannt und herausgeschnitten werden können.
Vorteil: Du bleibst eher im Redefluss und hast nur eine Datei.
Nachteil: Du brauchst die Erlaubnis, nicht perfekt zu sprechen, obwohl die Kamera weiterläuft.
Diese Methode passt zu dir, wenn du sagst:
- Ich möchte lieber im Gesprächsfluss bleiben.
- Ich möchte nicht dauernd neu starten.
- Ich komme durch längeres Sprechen eher in meine Energie.
- Ich möchte später Pausen und Wiederholungen herausschneiden.
Entscheidungshilfe
| Wenn du … | probiere eher … |
|---|---|
| dich mit langen Aufnahmen schnell überfordert fühlst | einzelne Clips |
| pro Gedanke mehr Sicherheit brauchst | einzelne Clips |
| schnell den Faden verlierst | einzelne Clips |
| gerne im Gesprächsfluss bleibst | One Take |
| weniger Dateien haben möchtest | One Take |
| mit Pausen und Wiederholungen arbeiten kannst | One Take |
| später KI-Schnitttools nutzen möchtest | One Take |
Mein Aufnahmeweg für dieses Video:
- einzelne Clips
- One Take mit Pausen und Wiederholungen
- beides, um zu testen, was besser zu mir passt
Warum wähle ich diese Methode?
Was könnte mir diese Methode erleichtern?
Meine Aufnahmeübung
Jetzt geht es ins Tun.
Du hast:
- eine konkrete Zuschauerin
- eine echte Frage
- das, was hängen bleiben soll
- das Gefühl, das du hinterlassen möchtest
- Stichworte
- deinen Einstieg
- deinen Aufnahmeweg
Jetzt nimmst du dein Mini-Video auf.
Nimm ein kurzes Video von etwa 3–5 Minuten auf. Es geht bei dieser Aufnahme darum, deinen Einstieg, deine Stichworte und deinen gewählten Aufnahmeweg praktisch auszuprobieren.
Du musst diese Aufnahme nicht veröffentlichen. Sie dient dir als Übung und als Grundlage für deine wohlwollende Selbstwahrnehmung.
Vor der Aufnahme
- Kamera oder Smartphone bereit
- Stichworte sichtbar
- Einstieg klar im Ohr
- Aufnahmeweg entschieden (einzelne Clips oder One Take)
- Ich stelle mir meine Zuschauerin vor, wie sie vor dem Computer oder Smartphone sitzt und mir zuhört.
- Ich erinnere mich daran: Ich spreche so, als würde ich bereits mit ihr arbeiten.
Während der Aufnahme
- Ich spreche zu einer konkreten Person.
- Ich beantworte eine echte Frage.
- Ich orientiere mich an meinen Stichworten.
- Ich mache bewusst Pausen.
- Ich spreche weiter, auch wenn ein Satz nicht ganz rund ist – so wie ich es in einem echten Gespräch auch tun würde.
- Ich setze neu an, wenn ich meinen Gedanken klarer formulieren möchte.
Nach der Aufnahme: Dich selbst wohlwollend wahrnehmen
Nach der Aufnahme beginnt der wichtigste Lernschritt: Du schaust dir dein Video nicht an, um dich zu bewerten, sondern um daraus zu lernen.
Dieser Schritt ist eine wichtige Selbstcoaching-Übung.
Beobachten statt bewerten
Wenn wir uns selbst auf Video sehen, rutschen wir oft sehr schnell ins Bewerten. Dann denken wir zum Beispiel: „Ich klinge komisch.", „Das war schlecht.", „Ich sehe müde aus.", „Ich rede zu langsam.", „So kann ich das nie veröffentlichen."
Solche Bewertungen fühlen sich oft sehr endgültig an. Sie helfen dir aber selten weiter, weil du danach meist nicht weißt, was du konkret beim nächsten Mal anders machen kannst.
Beobachten ist anders. Eine Beobachtung ist etwas, das du mit deinen Sinnen wahrnehmen kannst: Du kannst es sehen, hören oder im Video konkret feststellen. Auch eine andere Person, die dein Video anschaut, könnte diese Beobachtung nachvollziehen.
Eine Bewertung ist die Meinung oder Bedeutung, die du dieser Beobachtung gibst. Beim Beobachten beschreibst du also möglichst sachlich, was du wahrnimmst – ohne daraus sofort ein Urteil über dich oder deine Fähigkeit zu machen.
| Bewertung | Beobachtung |
|---|---|
| „Ich rede viel zu langsam." | „Zwischen zwei Gedanken mache ich längere Pausen." |
| „Ich klinge unsicher." | „Am Anfang wird meine Stimme leiser." |
| „Ich verzettle mich." | „Beim zweiten Stichwort schweife ich vom Thema ab." |
| „Das war langweilig." | „In den ersten 20 Sekunden sage ich noch nicht klar, worum es geht." |
| „Ich sehe komisch aus." | „Ich bin es noch ungewohnt, mich selbst auf Video zu sehen." |
| „Ich kann das nicht." | „An dieser Stelle habe ich den Faden verloren und neu angesetzt." |
So arbeitest du mit deiner Aufnahme
Schau dir deine Aufnahme einmal an und sammle zuerst nur Beobachtungen. Frage dich:
- Was kann ich konkret sehen oder hören?
- An welcher Stelle wird mein Gedanke klar?
- Wo verliere ich kurz den Faden?
- Wo spreche ich so, wie ich auch in einem echten Gespräch sprechen würde?
- Welche Stelle möchte ich beim nächsten Mal ähnlich machen?
- Welche Stelle möchte ich beim nächsten Mal anders ausprobieren?
Du musst dich dabei nicht schönreden. Es geht nicht darum, alles gut zu finden. Es geht darum, so auf deine Aufnahme zu schauen, dass du daraus lernen kannst.
Aus Beobachtungen werden nächste Schritte
Aus einer Bewertung entsteht oft Druck. Aus einer Beobachtung entsteht ein klarer nächster Lernschritt.
| Beobachtung | Nächster Schritt |
|---|---|
| „Am Anfang spreche ich sehr leise." | „Ich starte beim nächsten Mal mit mehr Atem und einem klareren ersten Satz." |
| „Beim zweiten Stichwort schweife ich ab." | „Ich notiere mein zweites Stichwort konkreter." |
| „Mein Beispiel klingt lebendig." | „Ich baue beim nächsten Video wieder ein Beispiel ein." |
| „Nach der Pause finde ich gut zurück." | „Ich erlaube mir beim nächsten Mal wieder bewusst Pausen." |
| „Der Schluss kommt sehr abrupt." | „Ich bereite mir einen einfachen Schlusssatz vor." |
Erste Notizen nach der Aufnahme
Das hat schon gut funktioniert und daran möchte ich mich beim nächsten Video erinnern:
Das möchte ich beim nächsten Mal anders machen oder ausprobieren, damit mein nächstes Video noch hilfreicher wird:
Der wohlwollende Blick
Stell dir vor, eine Freundin hätte dieses Video aufgenommen:
Was würde ich ihr Positives zurückmelden?
Was würde ich ihr als nächsten kleinen Übungsschritt empfehlen?
Selbstcoaching-Fragen
Was sehe ich an mir, wenn ich nicht sofort nach Fehlern suche?
Wo wirke ich bereits klar, echt oder hilfreich?
Was darf an meiner Art zu sprechen genauso bleiben?
Dein nächstes Video innerlich vorbereiten
Zum Abschluss nimm dir noch einen Moment Zeit, um dich innerlich auf deine nächste Aufnahme einzustellen.
Für dieses Arbeitsheft bedeutet das ganz praktisch:
Du stellst dir vor, wie du dein nächstes Video aufnimmst – mit einer konkreten Zuschauerin vor Augen, deinen Stichworten in Reichweite und einem wohlwollenderen Blick auf dich selbst.
Stell dir deine nächste Aufnahme vor
Nimm dir kurz Zeit und geh innerlich in die Situation hinein:
Du bereitest dein nächstes Video vor. Vielleicht weißt du jetzt noch nicht genau, welches Thema du wählen wirst. Das ist in Ordnung. Du weißt, dass du jederzeit ein Thema aus deiner Erfahrung hervorholen kannst: aus deiner Arbeit, aus Fragen, die dir begegnen, aus Beobachtungen, aus deinem eigenen Weg.
Alles, was du brauchst, ist bereits in dir: dein Wissen, deine Erfahrung, deine Stimme, deine Art zu erklären und deine Fähigkeit, mit Menschen zu arbeiten.
Vielleicht erinnerst du dich an eine Situation, in der du einer Kundin, Teilnehmerin oder Freundin etwas erklärt hast – und es ganz leicht war. Du musstest nicht nach perfekten Worten suchen. Du warst im Gespräch. Du wusstest, worum es geht. Du hast zugehört, geantwortet, erklärt, vielleicht nachgefragt oder ein Beispiel erzählt.
Dieses Gefühl kannst du auch vor der Kamera wieder hervorholen. Nicht, indem du dich zwingst, besonders gut zu sein. Sondern indem du dich daran erinnerst:
„Ich kann Menschen etwas erklären.
Ich kann hilfreiche Gedanken weitergeben.
Ich kann in Kontakt gehen."
Meine innere Vorbereitung
Eine Situation, in der ich schon einmal leicht, klar oder hilfreich erklärt habe, war:
Was war in dieser Situation anders?
Welche Qualität von mir war dort spürbar?
- Ruhe
- Klarheit
- Erfahrung
- Humor
- Herzlichkeit
- Geduld
- Direktheit
- Freude am Erklären
- andere Qualität:
Diese Qualität möchte ich in meine nächste Aufnahme mitnehmen:
Wenn ich mein nächstes Video aufnehme, möchte ich mich daran erinnern:
So möchte ich mit meiner Zuschauerin sprechen:
Das nehme ich aus diesem Arbeitsheft für meine nächste Aufnahme mit:
Ein Thema, das ich jederzeit hervorholen könnte, ist:
Wenn ich während der Aufnahme unsicher werde, hilft mir dieser Gedanke:
Nach der Aufnahme schaue ich mein Video an, um:
- zu beobachten, statt sofort zu bewerten
- zu erkennen, was schon gut funktioniert
- mich selbst zu stärken
- einen klaren nächsten Lernschritt zu finden
- mein nächstes Video noch hilfreicher zu machen
Mein Satz für die nächste Aufnahme
Formuliere einen Satz, der dich beim nächsten Mal unterstützt.
Beispiele:
- „Ich spreche nicht perfekt, ich spreche hilfreich."
- „Ich darf so sprechen, wie ich auch in meiner Arbeit mit Menschen spreche."
- „Ein klarer Gedanke reicht, um zu beginnen."
- „Ich darf mich beim Sprechen weiterentwickeln."
Mein Satz:
Du musst nicht perfekt sprechen, um ein hilfreiches Video aufzunehmen.
Du brauchst:
- eine konkrete Zuschauerin vor Augen
- eine echte Frage
- eine klare Aussage, die hängen bleiben soll
- ein Gefühl, das du hinterlassen möchtest
- Stichworte
- eine passende Aufnahmeform
- und die Bereitschaft, dich Schritt für Schritt weiterzuentwickeln
Deine Zuschauerinnen brauchen keine perfekte Moderatorin.
Sie brauchen dich – klar, echt und verständlich.
Der Weg entsteht beim Gehen.
Birgit Quirchmayr
www.birgitquirchmayr.com